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Wieder­ge­neh­mi­gungs­prozess von Glyphosat: Wie sieht es in Deutschland und der EU aus?

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Webinar vom 05.10.2023 | ca. 1 Stunde

Wieder­ge­neh­mi­gungs­prozess von Glyphosat: Wie sieht es in Deutschland und der EU aus?

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Mit: Mark Heubach, Prof. Ralf Vögele, Matthias Berninger
Moderatorin: Henrike Schirmacher

Trägt Glyphosat zum Klimaschutz bei?

Mit Glyphosat können Landwirt:innen Unkräuter effektiv bekämpfen, ohne die Ackerböden pflügen zu müssen. Dadurch sparen sie das CO2 ein, das beim Pflügen und in seiner Folge freigesetzt werden würde. Zugleich erhalten sie das für die Landwirtschaft und die Umwelt wichtige Bodenleben.

Bodengesundheit ist in der Landwirtschaft ein wichtiges Thema. Denn ein gesunder Boden hat viele Vorteile für Mensch und Umwelt. Durch seinen hohen Humusanteil können Landwirt:innen Dünger sparen. Zugleich bindet Humus größere Mengen CO2 im Boden. Im Zusammenspiel von Humus, Pflanzen und Tieren wie u. a. Regenwürmern entsteht ein artenreiches Ökosystem – ein Boden, der Wasser besonders gut speichern kann, gut durchlüftet ist und langfristig fruchtbar bleibt.

Doch das wertvolle Bodenleben ist verletzbar, zum Beispiel durch die traditionelle Unkrautbekämpfung mit dem Pflug. Beim Pflugeinsatz kommt es u. a. zum Verlust von ca. 25 % der im Boden lebenden Regenwürmer (Quelle). Auch die verstärkte Austrocknung und Auswaschung des Bodens, Erhöhung der Erosionsgefahr und des Humusabbau sind Folgen des Pflügens.

Glyphosat greift nicht in das Bodenleben ein und hat keine negativen Auswirkungen auf Insekten, Regenwürmer oder sonstige Tiere. Die Bodengesundheit bleibt erhalten – sowohl die Fruchtbarkeit und Widerstandskraft des Bodens als auch seine Kapazität als wertvoller CO2-Speicher.

Weitere Informationen rund um das wichtige Thema Boden bietet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter der Überschrift „Boden – Basis der Landwirtschaft“.

Welche Alternativen gibt es zu Glyphosat?

Der Einsatzzweck von Glyphosat ist es, Unkräuter zu bekämpfen. Das Fachwort für solche Mittel lautet Herbizid. Ein großer Vorteil von Glyphosat ist, dass es gegen alle Unkräuter wirksam ist.

Die chemische Alternative zu Glyphosat sind andere Herbizide. Die meisten haben jedoch im Vergleich zu Glyphosat ein schlechteres Umweltprofil.

In der Landwirtschaft wird Unkraut oft auch mechanisch bekämpft. Zum Beispiel durch das Jäten von Hand, was jedoch sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv ist. Eine weitere Alternative ist das Pflügen des Bodens, was jedoch das Bodengefüge stört und Trockenheit und Erosionen begünstigt. Zusätzlich werden zum Pflügen schwere, mit fossilen Brennstoffen betriebene Maschinen eingesetzt, deren CO2-Emissionen (Treibhausgase) berücksichtigt werden müssen.

Auf Gleisanlagen werden Unkräuter von Bahnunternehmen u. a. durch Stromschläge, Heißwasser, Wasserdampf oder Feuer bekämpft. Diese Verfahren sind arbeitsintensiv und energieaufwendig. Zugleich ist kaum vermeidbar, dass bei diesen Verfahren auch Kleinstlebewesen und Insekten getötet werden – was bei einer Anwendung von Glyphosat nicht der Fall wäre.

Nicht alle Alternativen sind für jede Anwendung nutzbar, wirtschaftlich oder sinnvoll. So wird niemand auf die Idee kommen, eine Obstplantage zu pflügen oder im Hochsommer bei Waldbrandgefahr Unkraut mit Feuer zu bekämpfen. Insbesondere Landwirt:innen müssen oft zwischen Praktikabilität, Kosten, Zeitaufwand, den unterschiedlichen Umweltauswirkungen und den Auswirkungen auf ihre jetzige und die zukünftige Ernte abwägen.

Wäre Glyphosat einfach zu ersetzen, wäre dies bereits geschehen.

Was wären die Konsequenzen eines EU-weiten Verbots von Glyphosat?

Intensivere Nutzung anderer Herbizide in der EU
Um Glyphosat in der Landwirtschaft zu ersetzen, werden nach einem Verbot absehbar verstärkt andere Herbizide genutzt werden. Von ihnen haben jedoch nur wenige so geringe Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt wie Glyphosat. Insbesondere durch die Deutsche Bahn ist das Herbizid Perlagonsäure bekannt geworden. Es besitzt ebenfalls ein geringes Umweltprofil, muss jedoch mindestens viermal angewendet werden, um die Wirkung einer Anwendung von Glyphosat zu erzielen. Dadurch benötigt es mehr Arbeitsgänge und versursacht somit höhere Kosten. Versuche haben ergeben, dass Landwirt:innen hier in etwa mit zusätzlichen 1.000 €/ha rechnen müssen.

Erschwerter, kostenintensiverer EU-Anbau in Steillagen
Die Problematik der chemischen Herbizide gilt auch für die herausfordernden Steillagen. Sie finden sich z. B. im Weinanbau, im Olivenanbau in Griechenland und Spanien, beim Anbau von Mandeln in Spanien und Portugal sowie beim Apfelanbau in Südtirol. In diesen Lagen ist zudem eine mechanische Unkrautbekämpfung mit Maschinen kaum oder gar nicht möglich und händische Unkrautbekämpfung sehr zeit- und kostenintensiv.

Potenzielle Verteuerung importierter Lebens- und Genussmittel
Ein EU-weites Glyphosatverbot würde indirekt auch importierte Lebens- und Genussmittel wie Kaffee, Kakao und Bananen aus Afrika oder Lateinamerika sowie Tee aus Asien betreffen. Denn sie dürften nach einem vollständigen Verbot nur in die EU importiert werden, wenn bei ihrem Anbau kein Glyphosat verwendet wurde. Die Erzeugungsländer hätten dann nur zwei Handlungsmöglichkeiten.

Option 1: Sie stellen bei diesen Produkten auf einen glyphosatfreien Anbau um und beliefern weiterhin die EU. Dies würde bei ihnen absehbar zu niedrigeren Erträgen oder steigenden Produktionskosten durch die Verwendung zusätzlicher Herbizide führen – und dadurch höhere Preise der Endprodukte bedingen.

Option 2: Sie liefern ihre wie bisher angebauten Produkte in andere Märkte, die nun attraktiver sind als die EU. Aufgrund des geringeren Angebots würde auch dies zu höheren Preisen bei den Endprodukten in der EU führen.

Wahrscheinlich höhere Herbizidbelastung importierter Lebens- und Genussmittel
Würde Glyphosat in der EU verboten, müssten Erzeugungsländer aufgrund der Null-Toleranz-Regel die Produkte für den EU-Import ohne Glyphosat anbauen. Es wäre erwartbar, dass sie dann andere Herbizide deutlich intensiver nutzen, um das Glyphosat zu ersetzen. Sehr wahrscheinlich würden dazu Herbizide zählen, deren Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt deutlich negativer sind als die von Glyphosat. Zusätzlich zu den Folgen vor Ort wären die entsprechenden Importprodukte stärker mit diesen Herbiziden belastet als bisher.

Möglicherweise steigende Fleischpreise aufgrund verteuerter Futtermittel
Die meisten Futtermittel für Nutztiere in Deutschland stammen aus heimischem Anbau (Quelle). Zum Beispiel Silomais, Raps und Getreide. Ein Glyphosatverbot würde auch hier bei der Unkrautbekämpfung zu mehr  Aufwand, höheren Kosten oder verringerter Effizienz führen. Die entsprechend gestiegenen Kosten der Futtermittel würden sich vermutlich in den Preisen der
Endprodukte niederschlagen. Auch das wichtigste Importfuttermittel – Soja – würde wahrscheinlich teurer werden. Denn auch hier würde die Problematik der Null-Toleranz-Regel greifen, also eine Verteuerung des Anbaus und zusätzlich eine höhere Belastung mit anderen Herbiziden.

Was erschwert die Debatte zu Glyphosat?

In der Debatte zu Glyphosat gibt es mehrere Stolpersteine, die den Austausch erschweren:

  • Emotionalisierte Szenarien: Unklare Darstellungen erwecken den Eindruck eines übermäßigen, willkürlichen Einsatzes von Glyphosat. In Deutschland und in der EU ist der Einsatz von Glyphosat klar reglementiert.
  • Widersprüchliche Studien: Studienergebnisse lassen sich durch Methodik, Studiendesign etc. beeinflussen. Die Vielzahl an Studien zu Glyphosat erschwert zudem den Überblick und die Einordnung. Hilfreich ist dabei eine ausgewogene und unbefangene Herangehensweise.
  • Sachliche Unklarheiten: Wird nicht transparent gemacht, wann die Rede ist von Glyphosat, allen Herbiziden, Insektiziden oder gar Pflanzenschutzmitteln (umgangssprachlich Pestiziden) als Sammelbegriff, entstehen Unklarheiten bis hin zu Fehlinformationen. Zum Beispiel wenn Glyphosat für das Bienensterben verantwortlich gemacht wird. Es ist wichtig, zu klären, welche Wirkungen welchem Wirkstoff oder Produkt zugeschrieben werden.
  • Stellvertreterdebatte: In manchen Fällen wird anhand von Glyphosat eine Stellvertreterdebatte über Pflanzenschutzmittel im Allgemeinen geführt. Hierbei ist es sinnvoll, die Trennlinie zwischen diesen Themen im Auge zu behalten. Geht es um Glyphosat, ein seit Jahrzehnten erprobtes und erforschtes Mittel mit geringem Umweltprofil, das Nutzpflanzen vor Unkraut schützt? Oder geht es ganz allgemein darum, ob und wie der Schutz von Nutzpflanzen – vor Unkräutern, Schadinsekten, Pilzen usw. – in der Landwirtschaft auf rein natürlichem Weg gewährleistet werden kann?
Sind Herbizide und Pestizide eigentlich das Gleiche?

Nein, aber die Begrifflichkeiten sind schon ein bisschen verwirrend. Daher hier eine schnelle Übersicht:

Pflanzenschutzmittel (ugs.: Pestizide): Übergreifende Bezeichnung für Mittel, die zum Schutz von Nutzpflanzen einsetzt werden.

Herbizide: Pflanzenschutzmittel, die Unkräuter bekämpfen.
Insektizide: Pflanzenschutzmittel, die Schadinsekten bekämpfen.
Fungizide: Pflanzenschutzmittel, die Pilze bekämpfen, die Nutzpflanzen befallen.

Ein Herbizid ist also ein Pestizid, aber nicht alle Pestizide sind Herbizide. So, wie ein Hund ein Säugetier ist, aber nicht alle Säugetiere Hunde sind.

 

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein Molekül, das Pflanzen bekämpft. Als Wirkstoff wird üblicherweise in Form eines Salzes verwendet.

Wie wirkt Glyphosat?

Damit Glyphosat wirkt, muss es mit den grünen Teilen einer Pflanze in Berührung kommen. Dann blockiert es ein für die Pflanze lebenswichtiges Enzym. Die Pflanze hört auf zu wachsen, welkt und geht nach wenigen Tagen ein.

Ist Glyphosat besonders giftig?

Glyphosat ist weniger giftig als Backpulver, Kochsalz und Koffein. Ganz konkret: Koffein ist über 25-mal giftiger als Glyphosat.

Wie wird Glyphosat eingesetzt?

In Deutschland und in der EU hauptsächlich, um Ackerböden von Unkraut freizuhalten. Die häufigste Anwendung ist die Stoppelanwendung. So heißt die Anwendung nach der Ernte, wenn keinerlei Nutzpflanzen auf dem Feld stehen. Glyphosat kann auch vor dem Säen oder Keimen der Nutzpflanze eingesetzt werden. Oder in Bereichen, in denen die Nutzpflanze keine Blätter trägt oder andere grüne Teile hat, zum Beispiel am Fuß von Obstbäumen oder beim Weinanbau unterhalb der Reben.

Gut zu wissen: Der Einsatz von Glyphosat ist in Deutschland gesetzlich streng reguliert. Deshalb – und um effizient zu wirtschaften – wägen Landwirt:innen sehr genau ab, ob und wann sie  Glyphosat einsetzen.

Gibt es Beschränkungen für den Einsatz von Glyphosat?

Ja, der Einsatz von Glyphosat ist in Deutschland gesetzlich streng und wirkungsvoll reguliert. So nutzten deutsche Landwirt:innen im Jahr 2021 ca. 47 % weniger Glyphosat als noch 2008*.
Im Herbst 2021 wurde die Verwendung noch einmal deutlich eingeschränkt. So ist nun z. B. die Nutzung von Glyphosat im Haus- und Kleingartenbereich verboten.

* Quelle

Welche Vorteile hat Glyphosat?
  • Glyphosat ist das weltweit am besten und am längsten erforschte und überprüfte Breitbandherbizid.
  • Der Pflanzen bekämpfende Wirkungsmechanismus von Glyphosat betrifft Menschen und Tiere nicht. Denn Glyphosat blockiert ein für Pflanzen lebenswichtiges Enzym, das bei Menschen und Tieren nicht vorkommt.
  • Die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt durch Glyphosat werden von unabhängigen Stellen, Behörden und Wissenschaftler:innen als gering eingeschätzt.
  • Glyphosat lässt sich räumlich sehr gezielt anwenden.
  • Durch den Einsatz von Glyphosat lässt sich die Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft verringern. Das hilft, Bodenerosion zu mindern, Humus aufzubauen, die Bodenbiodiversität zu steigern und CO₂ einzusparen.
  • In der EU sind die Zulassungsstandards von Glyphosat strenger als die von Medikamenten, da auch die Auswirkungen auf die Umwelt geprüft werden.
  • Wie alle Pflanzenschutzmittel hilft Glyphosat, gute Ernten zu erzielen.
Welche Nachteile hat Glyphosat?
  • Glyphosat bekämpft alle Pflanzen, sobald es mit deren grünen Teilen in Kontakt kommt. Deshalb gilt für Glyphosat – wie bei allen Herbiziden – dass es vorschriftsgemäß und verantwortungsbewusst von geschulten Anwender:innen eingesetzt werden muss.
  • Wie bei allen Herbiziden können Pflanzen bei einseitigem Einsatz Resistenzen entwickeln

Ein großer kommunikativer Nachteil ist, dass „Glyphosat“ zum Reizwort geworden ist. Das erschwert eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

 

Ist Glyphosat krebserregend?

Glyphosat ist nicht grundlegend krebserregend, so wie z. B. Zigarettenrauch.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stellte 2022 fest: „Auf der Grundlage einer umfassenden Überprüfung der wissenschaftlichen Erkenntnisse kommt der Ausschuss erneut zu dem Schluss, dass die Einstufung von Glyphosat als krebserregend nicht gerechtfertigt ist.“

Auch die US-Umweltschutzbehörde (EPA), die EU-Bewertungsgruppe für Glyphosat (AGG) und die Gesundheitsbehörden in Deutschland, Australien, Korea, Kanada, Neuseeland, Japan und anderen Ländern der Welt kommen weiterhin zu dem Schluss, dass Produkte auf Glyphosatbasis bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sicher sind und dass Glyphosat nicht krebserregend ist.

In der Vergangenheit gab es jedoch unterschiedliche Aussagen zu diesem Thema, die bis heute zu Verwirrung führen. Mai Thi Nguyen-Kim erläutert diese in dem Video „Was ist jetzt mit Glyphosat?„.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bietet Informationen und Stellungnahmen zu Glyphosat.

Schadet Glyphosat der Artenvielfalt?

Glyphosat bekämpft alle Pflanzen, sobald es mit deren grünen Teilen in Kontakt kommt – egal, ob Nutzpflanze oder Wildkraut. Würde Glyphosat auf Flächen eingesetzt, die dem Naturschutz vorbehalten sind, würde es Schaden anrichten.

In der Landwirtschaft wird Glyphosat jedoch auf Äckern eingesetzt. Also auf Flächen, auf denen Artenvielfalt in Form von Wildkräutern usw. ohnehin nicht im Fokus steht. Zudem wird die Anwendungsfläche für Glyphosat durch gesetzliche Auflagen begrenzt, die z. B. einen Mindestabstand zu Gewässern vorschreiben.

Es gibt sogar Argumente dafür, dass Glyphosat im Vergleich zu anderen Methoden der Unkrautkontrolle auf Ackerflächen schonender für die Artenvielfalt sein kann. Zum Beispiel verursacht das Pflügen massive Störungen des Bodengefüges und -lebens, was negative Auswirkungen auf die Biodiversität haben kann. Und viele andere Herbizide haben ein ungünstigeres Umweltauswirkungspotenzial als Glyphosat – vereinfacht gesagt, sind sie schädlicher für die Umwelt.

Tatsächlich kann eine konservierende Bodenbearbeitung, bei der Glyphosat als Mittel der Unkrautkontrolle eingesetzt wird, positive Auswirkungen auf das Bodenleben haben und somit zur Erhaltung der Biodiversität beitragen.

Was sind besonders wichtige Eigenschaften von Glyphosat?
Wo finde ich unabhängige Informationen zu Glyphosat?

In der oft emotional geführten Debatte um Glyphosat ist es nicht immer einfach, einzuordnen, welche Informationen einseitig oder sogar falsch sind.
Auch als Hersteller gelten wir als befangen. Ausgewogene Informationen finden Sie hier:

Was wäre eigentlich das Problem an einem Glyphosat-Verbot? Wie würde es sich auswirken?

In der Landwirtschaft gibt es zu Glyphosat keine „vollumfängliche Alternative“ (Quelle). Ein pauschales Verbot würde sich daher auf vielen Ebenen auswirken: Es würde erhebliche Ertragseinbußen bedeuten. Zugleich würde es aber auch den vermehrten Einsatz weniger nachhaltiger Wirtschaftsmethoden mit sich bringen, zu denen u. a. eine intensivere Bodenbearbeitung z. B. durch Pflügen gehört. Damit verbunden wären eine verringerte Speicherkapazität an CO2 im Boden und ein erhöhter CO2-Ausstoß bei der Bearbeitung der landwirtschaftlichen Flächen mit schweren Maschinen. Da zudem mehr händische Arbeit bei der Unkrautbekämpfung notwendig werden würde, würden bereits bestehende Personalmängel zu einer noch größeren Herausforderung werden.

Was wäre eine Alternative zu einem Glyphosat-Verbot?

Ein sachgerechter Umgang mit Glyphosat, der sich bereits abzeichnet: In den vergangenen Jahren hat sich der Einsatz von Glyphosat insgesamt reduziert. Seit 2021 ist die private Nutzung durch Laien verboten. Landwirt:innen dürfen Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat nur einsetzen, wenn sie in der Anwendung geschult sind und ihre Sachkunde nachweisbar alle drei Jahre auffrischen. Auch die Geräte für die Ausbringung müssen alle drei Jahre zur technischen Inspektion.

Was zudem oft vergessen wird: Die meisten Landwirt:innen müssen sehr sparsam kalkulieren – auch beim Pflanzenschutz. Viele von ihnen können sich schon rein betriebswirtschaftlich nur einen sehr gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln leisten.

Für wen wäre ein Glyphosat-Verbot ein besonders großes Problem? Und warum?

Insbesondere beim Weinanbau in Hanglagen ist Glyphosat ein wichtiges Hilfsmittel bei der effektiven Unkrautbekämpfung. Würde es verboten, bedürfte es zusätzlicher Arbeitsleistungen,
um Unkraut zu bekämpfen. Welche, das fasst die Drucksache 19/4097 des Deutschen Bundestages prägnant wie folgt zusammen:

„Neben glyphosathaltigen Herbiziden sind in Deutschland weitere Herbizide für die Anwendung im Weinbau zugelassen. Ein vollumfänglicher Ersatz ist durch diese zumeist selektiv wirkenden Herbizide allerdings nicht möglich. […]

Als praktikable Teil- bzw. Vollalternative zum chemischen Pflanzenschutz [im Weinanbau] steht zurzeit nur die mechanische Bekämpfung in Form des Mulchens zwischen den Reihen in Kombination mit möglichst eingegrenzten Herbizidanwendungen im Stockbereich oder mit einem Handschnitt mittels Freischneider zur Verfügung.

Mulchgeräte, die auch die krautigen Pflanzen unter der Weinrebe stockschonend erfassen, sind auf dem Markt aber nach Erkenntnissen des Julius Kühn-Instituts in der Praxis wegen hoher Anschaffungskosten und geringer Arbeitsgeschwindigkeit kaum verbreitet.

In Steilhang- und vielen Hanglagen ist neben der Unkrautbekämpfung mit Herbiziden gegenwärtig nur der mehrfache Handschnitt des Unterwuchses mit dem Freischneider
praktikabel. […] Bei mechanischer Bekämpfung mittels Freischneider erhöht sich nach Kenntnis des Julius Kühn-Instituts der Aufwand je nach Standort um den Faktor zehn und mehr.“

Ist in einem Land schon einmal Glyphosat verboten worden?

Jein.

In Sri Lanka waren Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat und synthetische Dünger von 2015 bis 2022 größtenteils verboten. Das heißt, Glyphosat war zwar verboten, aber nicht nur Glyphosat. Die Auswirkungen waren vielfältig. In Sri Lanka werden viele unterschiedliche Nutzpflanzen angebaut. Unter anderem Tee, der eins der wichtigsten Exportgüter des Landes ist.

Nach dem Verbot im Jahr 2015 geschah folgendes:

  • Bereits 2016 wurde der Verlust im Teeanbau auf 32,2 Millionen Kilogramm Tee pro Jahr geschätzt und der entsprechende wirtschaftliche Verlust auf 26,7 Milliarden Rupien.
  • Im Teeanbau in Sri Lanka herrschte bereits ein Arbeitskräftemangel. Nach dem Verbot von Glyphosat wurden zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, um das Unkraut von Hand zu beseitigen.
    Die Kosten stiegen, zum Teil konnte das Unkraut letztlich nicht bekämpft werden.
  • Es wurden verstärkt Herbizide mit einem schlechteren Umweltprofil genutzt und verbotene Mittel ins Land geschmuggelt. Im exportierten Tee wurden mehrere dieser Herbizide nachgewiesen, wodurch wiederum Exportverbote drohten.

Weitere Informationen haben wir auf unserer Website unter der Überschrift „Glyphosatverbot in Sri Lanka schadet den Teebauern“ veröffentlicht.

Unabhängige, detaillierte Informationen finden Sie in diesem englischsprachigen Bericht des Committee on Public Finance für das Parlament von Sri Lanka: Use of Glyphosate on Plantation Crops in Sri Lanka

Wie steht Bayer zu Glyphosat?

Wir stehen hinter dem Wirkstoff Glyphosat. Glyphosat ist nach wie vor ein herbizider Wirkstoff mit vielen günstigen Eigenschaften für Mensch und Umwelt. Wir möchten, dass sie durch einen
sachkundigen, verantwortungsvollen Einsatz zum Tragen kommen.

Hat Bayer ein Patent auf Glyphosat?

Nein. Die Patente für Glyphosat sind bereits im Jahr 2000 ausgelaufen. Heute wird Glyphosat weltweit von mehr als 90 Unternehmen hergestellt und verkauft. Wir sind nur eines davon.

Ist Bayer dafür, dass möglichst viel Glyphosat eingesetzt wird?

Nein, wir sind gegen „viel hilft viel“. Wir sind für einen umsichtigen, verantwortungsvollen Einsatz von Glyphosat. Denn unser Image ist ein sehr wertvoller Wirtschaftsfaktor. Ein Missbrauch unserer Produkte – ob Aspirin oder Glyphosat – schadet ihm und damit uns. Daran haben wir kein Interesse.

Wie steht Bayer zu Herbiziden?

Ganz klar gesagt: Herbizide sind kein Zuckerwasser. Herbizide sind ernstzunehmende Stoffe, mit denen ein umsichtiger, verantwortungsvoller Umgang selbstverständlich ist. Unter
den Herbiziden ist Glyphosat vergleichsweise umweltverträglich.

Was sind Bayers Interessen im Bereich Herbizide?

Wir wünschen uns nachhaltige Lösungen. Bayer ist seit 160 Jahren erfolgreich, weil wir nachhaltig denken. Wir investieren unter anderem in die Entwicklung neuer Produkte, um die Palette
der Unkrautkontrolle um Mittel mit geringerem ökologischen Fußabdruck zu erweitern. Dazu gehören chemische und biologische Wirkstoffe, aber auch digitale Lösungen wie z. B. Smart Farming. Dabei werden Pflanzenschutzmittel nicht mehr breitflächig auf dem Acker ausgebracht, sondern nur noch dort, wo tatsächlich Unkraut wächst.

Was ist Unkraut eigentlich?

„Unkraut“ ist ein relativer Begriff: wir Menschen bezeichnen prinzipiell jede Pflanze als Unkraut, die an einem bestimmten Standort unerwünscht ist. Als Beispiel: In Ihrem Kräutergarten ist Pfefferminze erwünscht und willkommen. In Ihrem Radieschenbeet hingegen nicht; dort wird sie als Unkraut angesehen.

Warum wird Unkraut  in der Landwirtschaft überhaupt bekämpft?

Damit die Ernten möglichst gut ausfallen. Denn werden Unkräuter auf den Ackerflächen nicht bekämpft, gedeihen sie dort und nehmen den Nutzpflanzen Licht, Wasser, Platz und Nährstoffe weg. Dann wachsen dort weniger und kleinere Nutzpflanzen – und die Erträge fallen geringer aus.

Wie werden Pflanzenschutzmittel eigentlich zugelassen? Sind die Hürden dafür vielleicht zu niedrig?

Die Regulierung von Pflanzenschutzmitteln in Europa unterliegt einem der strengsten Zulassungsverfahren der Welt. Die Anforderungen sind so gestaltet, dass auch mögliche langfristige Effekte berücksichtigt werden. Sicherheitsfaktoren reduzieren dabei das Risiko für Mensch, Tier und Umwelt auf ein Minimum. Ist ein Wirkstoff für die Verwendung in der EU genehmigt, ist dies nur der erste Schritt. Denn er muss in jedem Mitgliedsstaat zugelassen werden, in dem er auf den Markt kommen soll.

In Deutschland werden Pflanzenschutzmittel im Rahmen ihrer Zulassung von vier unabhängigen Bundesbehörden bewertet:

  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (die Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel)
  • Julius Kühn-Institut (prüft u. a. Pflanzenverträglichkeit und die Auswirkungen auf die Honigbiene)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (bewertet u. a. die Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier)
  • Umweltbundesamt (beurteilt mögliche Auswirkungen auf den Naturhaushalt)

Nur wenn alle vier Behörden zu dem Ergebnis kommen, dass ein Mittel sicher ist, wird es auch in Deutschland zugelassen. Weitere Informationen rund um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln bietet dieses FAQ des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.